Das Terrassendach war der bislang einzige große Auftrag, neben der Küche, den wir frei vergeben konnten, weil Werner Wohnbau keines anbietet. Dies ist natürlich einerseits schön, weil man einen Anbieter auswählen kann, den man selbst gut findet und nicht bei der Auswahl eingeschränkt ist. Andererseits bedeutet diese uneingeschränkte Auswahl auch sehr viel Auswahl, was uns vor gewisse Herausforderungen stellt. 🙂 Als Laien fällt es uns äußerst schwer zwischen den verschiedenen Angeboten zu entscheiden, Qualitätsunterschiede sind schwer erkennbar. Gleichzeitig ist die Preisspanne enorm, das günstigste kostet nur die Hälfte der anderen.
Um meine eigenen Gedanken ein bisschen zu ordnen, habe ich meine Entscheidungskriterien mal aufgeschrieben. Anregungen dazu nehme ich gerne entgegen, die Entscheidung ist noch nicht gefallen. 🙂
Statik: Innenliegend vs. außenliegend
Ich habe Terrassendächer bislang in zwei Kategorien unterschieden: hässlich und nicht hässlich. Im Rahmen unserer Suche nach einem Terrassendach habe ich festgestellt, dass diese beiden Kategorien deckungsgleich sind mit innenliegender und außenliegender Statik. Das bedeutet, dass die Sparren, die das Glas tragen, entweder ober- oder unterhalb des Glases sind. Terrassendächer mit außenliegender Statik wirken auf mich sehr unruhig und ich habe diese zu Beginn unserer Suche immer gleich für mich ausgeschlossen. Im Rahmen einer Beratung wurde uns allerdings erläutert, was die Vorteile dieses Aufbaus sind und diese sind nicht von der Hand zu weisen. Bei innenliegender Statik muss die Unterglasmarkise logischerweise unterhalb der Sparren laufen. Dies nimmt unterhalb des Daches ca. 30 bis 40 cm Höhe. Das ist natürlich ein klarer Nachteil, sodass man (also ich) überlegen muss, ob diese Reduktion der Deckenhöhe bei ausgefahrener Markise die schönere Optik von vorne wert ist. Zumal fraglich ist, wie oft man sich sein eigenes Terrassendach tatsächlich von vorne anschaut. Im Normalfall sitzt man ja darunter. 🙂

Beschattung
Ohne Beschattung würde unsere Terrasse mit einem Glasdach im Sommer vermutlich zu einem Backofen werden. Deshalb war für uns von Anfang an klar, dass wir eine Markise haben wollen. Dabei haben wir uns für eine Unterglasmarkise entschieden, die, wie der Name schon sagt, unter dem Glas ausfährt. Dies hat gegenüber einer Überglasmarkise den Vorteil, dass die Markise nicht so leicht schmutzig werden kann, von platten Insekten mal abgesehen. Bei Unterglasmarkisen staut sich natürlich eine gewisse Hitze zwischen Markise und Glas, solange die Luft aber an den Seiten entweichen kann, soll dies aber laut Fachfirma nicht so schlimm sein.
Im Rahmen der Beratungen haben wir auch Frontmarkisen für uns entdeckt. Diese fahren senkrecht an den beiden Pfosten vor der Terrasse herunter. Dies dient natürlich zum einen als Sonnenschutz, wenn man auf der Terrasse sitzt. Zum anderen können wir die Frontmarkise aber auch als Sichtschutz für unser Wohnzimmer nutzen, so dass wir nicht immer die Rollläden als Blickschutz herunterlassen müssen. Deshalb werden wir vermutlich auch noch eine Frontmarkise einbauen lassen.
Versiegelung
Das Thema Versiegelung hat uns bei der Terrassen(dach)planung schon ein bisschen Nerven gekostet, weil es so schwer durchschaubar ist. Wir dürfen laut Werner Wohnbau ausdrücklich nicht mehr versiegeln als im Standard vorgesehen ist. Dies liegt weniger daran, dass wir gleich die maximal erlaubte Versiegelung erreichen, sobald wir unser Terrassendach um 3 Quadratmeter vergrößern. Problematisch wird es aber, sobald alle 46 Reihenhäuser dies tun. Sobald Werner Wohnbau einem Haus erlaubt mehr zu versiegeln, muss dies natürlich auch jedem anderen Haus erlaubt werden. Deshalb sagt Werner Wohnbau, dass man mit allen zusätzlichen Versiegelungen eigentlich bis zur ersten Eigentümerversammlung warten muss, damit sich alle Hauseigentümer absprechen und die gesamte zusätzliche Versiegelung planen können. Was hat jetzt Versiegelung mit unserem Terrassendach zu tun? Nun, auch wenn es sich im ersten Moment für uns unlogisch angehört hat: Auch ein Terrassendach zählt laut Bauamt als Versiegelung. Unsere Terrasse ist ca. 4,10m breit, wir hätten das Dach aber trotzdem eigentlich gerne über die komplette Hausbreite von 5m geplant. Das wäre aber eben eine unerlaubte zusätzliche Versiegelung, wir planen deshalb aktuell lieber nur die Originalbreite.
Wartungsfuge
Eine Schwachstelle beim Terrassendach ist der Übergang zwischen Terrassendach und Haus. Logischerweise bewegen sich beide Bauwerke unterschiedlich, sodass der Übergang etwas flexibel gestaltet werden muss. Diese Fugen können reißen, so dass dann z.B. Regenwasser direkt vor der Terrassentür auf die Terrasse tropfen kann. Es gibt Anbieter, die diese Wartungsfuge von Anfang an aus der Gewährleistung herausnehmen (um genau zu sein: es ist der günstigste Anbieter). Andere haben mehr Vertrauen in ihre handwerkliche Leistung und tun das nicht.
Befestigung des Daches
Ein Terrassendach kann man entweder freistehend planen und es auf (mindestens) vier Pfosten stellen oder hinten nur an die Hauswand anschließen. Bei einer Dämmung von 20 cm muss man dafür natürlich ziemlich tief bohren und dabei darauf achten, dass man keine Kältebrücken schafft. Für ein Glasdach bedeutet dies nicht nur zwei Schrauben an jeder Ecke, sondern Schrauben ca. alle 15 Zentimeter, damit das enorme Gewicht des Daches getragen werden kann. Wir finden die Vorstellung nicht so schön, dass wir unser schönes neues Wärmedämmverbundsystem gleich löchern wie einen Schweizer Käse. Deshalb planen wir derzeit, dass das Dach freistehend sein soll, auch wenn dies zusätzliche Pfosten an der Hauswand bedeutet. Auch wenn die Pfosten und der Querträger natürlich trotzdem mit der Hauswand verbunden werden müssen, schont es die schöne neue Hauswand ein bisschen. (Diese Entscheidung hat vielleicht weniger mit den technischen Tatsachen als vielmehr mit einem Bauchgefühl zu tun. :-))
Funk oder mechanische Bedienung
Die meisten Markisen werden über Funk gesteuert. Dafür ist logischerweise ein Elektroanschluss an der Außenwand notwendig, der im Standard von Werner Wohnbau so nicht vorgesehen ist. Aus unserer Sicht ist eine elektrische Steuerung der Markisen nur ein weiteres Teil, das kaputt gehen kann und dessen Reparatur teuer wird. Wir bedienen auch unsere Rollläden per Hand und wollen das auch bei unseren Markisen so handhaben. Dies nimmt uns natürlich die Möglichkeit, dass die Markisen über Sensoren automatisch zur Beschattung ausgefahren werden oder wir die Frontmarkise bequem von der Couch herunterfahren lassen können.
Regen
Bei der Ableitung von Niederschlag gibt es ebenfalls einige Unterschiede. Einige Anbieter leiten das Wasser elegant innerhalb der Pfosten nach unten, andere haben einfach außenliegende Regenrinnen und Fallrohre. Diese können natürlich einfacher gewartet werden. Wenig Infos gibt es dazu, was unten mit dem abgeleiteten Regenwasser passiert. Nach meinem Verständnis müsste es zu einem unschönen braunen Fleck auf dem Rasen führen, wenn das Regenwasser einfach aus einem Ablauf unten am Pfosten auf den Rasen läuft. Ein Anbieter hat uns angeboten, das Regenwasser in ein Kiesbett laufen zu lassen, wo es dann versickern kann. Das empfinden wir als eine sauberere Lösung, eventuell kann man dies sogar mit dem Ablauf des Regenrohres vom Hausdach kombinieren, das ebenfalls an unserer Hauswand ankommt.
Fundament
Das Fundament für das Terrassendach sollte idealerweise mit der Terrassenpflasterung koordiniert werden, damit nicht eventuell frisch verlegte Terrassenplatten gleich wieder hochgenommen werden müssen. Manche Anbieter machen die Fundamente selbst, andere wollen dies bauseits vorbreitet bekommen. Zudem stellt sich die Frage, ob man Punktfundamente für die Pfosten macht, oder gleich Streifenfundamente, die für einen eventuell später nachgerüsteten Wintergarten benötigt werden würden. Wir können uns im Moment nicht vorstellen, dass wir jemals einen Wintergarten besitzen wollen und bleiben deshalb bei den Punktfundamenten. Fragt uns in 20 Jahren noch einmal, ob wir uns über diese Entscheidung ärgern. 😉
Fazit
Ich bin noch nicht so weit, dass ich ein Fazit ziehen könnte. Wir haben zwar vom Bauchgefühl her eine Tendenz zu einem Anbieter, aber so ganz abgeschlossen ist das Thema noch nicht…
Außenliegende Träger sind meiner Meinung nach richtig, denn die innenliegende Konstruktion kostet Höhe und man hat leichter das Gefühl, man müsse „den Kopf einziehen“. Auch der Wärmestau unter der Markise bei der innenliegenden Konstruktion ist sicher deutlich nach unten verlagert.
Freistehend ist aus den von dir beschriebenen Gründen sicher vorzuziehen, die Last wird so ganz anders abgefangen.
Das Kiesbett ist erste Wahl, achtet darauf, dass es schön tief ist und nicht nur obendrauf „ein paar Steine liegen“. Lasst euch mal sagen, wie tief das Bett im Boden ist, gefühlt würde ich von mindestens 50cm Tiefe ausgehen, mehr ist sicher gut. Es sind doch wohl runde Kiesbetten nur unter den außenliegenden Pfosten? Wie groß ist dann der Durchmesser?
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Hallo,
vielen Dank für die ausführlichen Infos. Da gibt es ja wirklich eine Menge zu beachten.
Muss man den Bau eigentlich mit der WEG abstimmen? Soweit ich mich erinnern kann, fällt die Fassade unter WEG Eigentum. Wir haben auch mit WW gebaut und sind auch am Überlegen, ob wir ein Terrassendach nehmen.
VG
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Hallo,
ob man wirklich so viel beachten muss, weiß ich nicht, aber mir geht auf jeden Fall so viel im Kopf herum. 🙂
Wir müssen Terrassendächer anscheinend nicht mit der WEG abstimmen, aber das scheint in den Teilungserklärungen immer unterschiedlich geregelt zu sein.
Viele Grüße
Stefanie
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Vielen Dank für die schnelle Antwort!
VG
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